Kinder- und Babyfotografie
22.01.2025
Brigitte Grawe

Dieser Bereich der Fotografie zeichnet sich durch eine Reihe besonderer Aspekte aus, die ihn von anderen unterscheidet. Das möchte ich hier gerne einmal ausführen …

  • Emotionen und Ausdruck:

Kinder und Babys zeigen spontane und ungefilterte Emotionen. Ob Lächeln, Staunen oder Neugier, Trotz oder Freude; genau das macht diese Fotos einzigartig und authentisch.

  • Schnelligkeit und Flexibilität:

Vor allem bei Babys und Kleinkindern ändern sich die Mimik und Körperhaltung oft innerhalb von Sekunden. Da Kinder unvorhersehbar sind, muss flexibles und schnelles Reagieren mit der Kamera erfolgen. Das setzt einen sicheren Umgang mit der Fototechnik voraus.

  • Sicherheit und Komfort:

Bei der Babyfotografie ist es besonders wichtig, dass das Baby sicher ist und sich in einer in einer wohltuenden, bequemen Situation befindet. Das Wohlbefinden des Kindes muss immer an erster Stelle stehen. So lassen sich natürliche und Ausdrücke erzielen.

  • Neugeborene

Neugeborene fotografiert man gerne in den ersten zwei Wochen nach der Geburt. Das liegt vor allem daran, dass die besondere Weichheit von Neugeborenen in den ersten Lebenswochen so einzigartig ist.

Außerdem sind sie in dieser Zeit noch sehr schläfrig sind lassen sie sich leicht und einfach fotografieren. Besonders in diesem zarten Alter sollte man jedoch darauf achten, dass Sicherheit und Wärme gewährleistet sind.

  • Natürliches Licht:

Generell sollte man beim Fotografieren von Menschen, aber besonders bei Babys und Kindern möglichst natürliches Licht nutzen. Das sorgt für sanfte und schmeichelhafte Bilder. Vermeide direktes Sonnen- und Blitzlicht, um harte Konturen und Schatten zu vermeiden.

  • Tageszeit

Für ein Fotoshooting sollte die jeweils beste Tageszeit genutzt werden. Idealerweise kann man mit richtiger Planung natürliches Licht nutzen und idealerweise Zeitfenster auszuwählen, an denen das Baby/Kind normalerweise gut gelaunt ist. Das kann helfen, die besten Momente einzufangen.

  •  Kreativität bei der Inszenierung:

Gestellte Fotos führen in der Regel nicht zu authentischen Fotos sondern zu schlechter Laune. Die Fotografie von Kindern und Babys erfordert viel Kreativität.

Mit Utensilien sollte man vorsichtig sein und nicht übertreiben. Sonst kann so ein Kind/Baby schnell zum Deko-Objekt werden. Kreativität heißt für mich eher die richtige Wahl der Umgebung und wie man ein Kind animiert oder beschäftigt.

Ich fotografiere Kinder gerne so wie sie gerade sind. Ich erinnere mich gerne an einen kleinen Burschen, der kurz auf die große Handtasche seiner Mutter aufpassen sollte. Neugierig nutzte er ihre Abwesenheit und steckte gleich den ganzen Kopf hinein. Das war ein toller Schnappschuss, der sehr erheiterte.

  • Einzigartigkeit beachten

Jedes Kind hat seinen eigenen Charakter, seine eigenen Vorlieben und Eigenheiten, die es zu einem einzigartigen Fotomotiv machen. Die Herausforderung besteht darin, diese Individualität einzufangen und sie in den Bildern zum Ausdruck zu bringen.

  • Keine Anweisungen

Kinder brauchen keine Anweisungen wie „lach doch mal“. Auch Versuche die Aufmerksamkeit und damit den Blick eines Kindes auf die Kamera zu lenken sollte man unterlassen. Warum? Es sorgt für unnatürliche Fotos und schlechte Laune.

Lieber fotografiere ich ein Kind mit trotzigem Schnütchen als mit unnatürlichem Lächeln. Und der Blick in die Kamera ist nur schön, wenn er auf natürliche Weise erfolgt.

  • Langfristige Bedeutung:

Kinder- und Babyfotos haben eine sehr hohe emotionale Bedeutung für Eltern und Familien. Sie sind kostbare Erinnerungen an besondere Momente. Und die werden im Laufe der Zeit immer wertvoller. Entsprechend sollten auch die Fotos sein.

  • Geduld, Ruhe und ganz viel Zeit:

Bei der Fotografie von Babys und Kleinkindern ist Geduld gefragt; viel Geduld! Für mich heißt das nichts Anderes als Entspannung auf beiden Seiten. Ich beobachte und reagiere mit ganz viel Ruhe oder auch mal Ausgelassenheit. Je nachdem wie es die Situation oder eventuelle Interaktion erfordert.

Zudem kann es immer wieder Situationen geben, in denen man beruhigend einwirken muss. Manchmal ist auch zwischendurch ein Schläfchen bei Kindern notwendig.

Müde und überreizte Babys oder Kleinkinder sollte man nicht fotografieren. Daher plane ich immer so viel Zeit ein, dass man vielleicht zwischendurch pausiert.

Es spricht aber auch nichts dagegen, die Kleinen im Schlaf zu fotografieren. Dabei lassen sich ganz wunderbare Aufnahmen machen; die ganze Zartheit und Verletzlichkeit eines Kindes kommt da zum Ausdruck.

  • Schulkinder bis zur Pubertät:

Auch hier sollten auf keinen Fall keine gestellten Aufnahmen entstehen. Dieses Alter erfordert ganz besonders viel Einsatz. Idealerweise sollten die Kinder so beschäftigt werden oder interagieren, dass sie sich dabei gerne fotografieren lassen. Im besten Fall vergessen Sie die Kamera.

Gut sind da Aktionen, die sie richtig gerne machen. Spielen mit Lego? Lesen? Höhle bauen? Auf dem Bett herumhüpfen? Tanzen? Egal was, Kinder sollten immer von sich aus aktiv werden dürfen. Der Vorteil; sie haben Spaß und das Ergebnis sind tolle Fotos.

  • Ältere Kinder

Dabei ist es ganz besonders wichtig, keine gestellten Fotos zu arrangieren. Sollte es sich einmal situationsbedingt nicht vermeiden lassen, kann man sie mit einem einfachen Mittel zur Mitarbeit bewegen. Meine Taktik; ich verspreche ihnen anschließend Fotos, die sie komplett selbst bestimmen.

Generell gilt es auch für ‚große Kinder‘ die richtige Beschäftigung bzw. das richtige Umfeld zu finden. Das kann zum Beispiel auch der Sportplatz sein. Eine hilfreiche Variante; die Kinder werden im Vorfeld bei der Planung mit einbezogen.

Fazit:

Alles in allem ist Kinder- und Babyfotografie eine Kombination aus einer guten Kamera (zumindest für FotografInnen), technischer Fertigkeit, emotionaler Intuition und einem tiefen Verständnis für die Bedürfnisse und Persönlichkeiten.

Das Wichtigste aber; wirkliche Freude im Umgang mit ihnen. Hat man ein Händchen dafür, gelingen gute Fotos ganz einfach und wie von selbst.

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